Beim Bohren von Plexiglas zählt nicht Kraft, sondern Kontrolle. Wer das Material ruhig vorbereitet, den passenden Bohrer wählt und die Wärme im Griff behält, bekommt saubere Löcher ohne Risse, Ausbrüche oder matte Kanten. Genau darauf gehe ich hier ein: vom Werkzeug über die richtige Fixierung bis zu den kleinen Handgriffen, die am Ende den Unterschied machen.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Die Schutzfolie bleibt während des Bohrens drauf, damit die Oberfläche geschützt bleibt.
- Ein Randabstand von mindestens dem 1,5-fachen Lochdurchmesser hilft gegen Spannungsrisse.
- Für Acrylglas eignen sich Spezialbohrer, Stufenbohrer, feinzahnige Lochsägen oder ein sauber geführter HSS-Bohrer.
- Niedrige bis mittlere Drehzahl und leichter Druck sind entscheidend; bei Platten über 5 mm sollte der Bohrer zwischendurch gelüftet und gekühlt werden.
- Kurz vor dem Durchbruch den Vorschub reduzieren und die Bohrung anschließend beidseitig entgraten.
- Für große Öffnungen ist eine feinzahnige Lochsäge bis etwa 60 mm eine praktikable Lösung.
Welcher Bohrer für Acrylglas wirklich sinnvoll ist
Ich greife bei Acrylglas nicht einfach zum erstbesten Metallbohrer. Entscheidend ist die Schneidgeometrie: Das Werkzeug soll das Material möglichst schabend bearbeiten, nicht aggressiv schneiden. So entstehen glatte Späne statt Krümel, und genau das reduziert Risse und Ausbrüche am Bohrloch.
| Bohrer | Einsatz | Vorteile | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Spezialbohrer für Acrylglas | Saubere Standardlöcher | Schabt statt zu schneiden, wenig Ausriss, oft mit flacherer Spitze im Bereich von etwa 60 bis 90 Grad | Lohnt sich vor allem bei regelmäßigem Einsatz |
| HSS-Spiralbohrer mit angepasstem Schliff | Kleine bis mittlere Löcher | Günstig, leicht verfügbar, für viele DIY-Aufgaben ausreichend | Ohne ruhige Hand und passende Drehzahl schnell unsauber |
| Stufenbohrer | Dünne Platten und riefenfreie Löcher | Sehr kontrolliert, saubere Kante, zylindrische Bohrung | Nicht die erste Wahl für sehr dickes Material |
| Kegelbohrer | Dünne Platten und bruchsensible Stellen | Wenig Ausbruch an der Austrittsseite | Erzeugt eine konische Bohrung |
| Feinzahnige Lochsäge | Große Öffnungen | Bis etwa 60 mm praktikabel | Nur bei sehr guter Fixierung und Kühlung sinnvoll |
Wenn ich nur wenige Löcher setzen will, reicht oft ein guter HSS-Bohrer mit ruhiger Führung. Wer häufiger mit transparenten Platten arbeitet, profitiert dagegen klar von einem Spezialbohrer oder Stufenbohrer. Der kleine Unterschied in der Geometrie macht am Ende den großen Unterschied in der Kante.
Bevor der Bohrer ansetzt, muss die Platte aber richtig vorbereitet sein.

So bereite ich die Platte vor, bevor der Bohrer ansetzt
Die Vorbereitung entscheidet bei Acrylglas fast mehr als der eigentliche Bohrvorgang. Ich lasse die Schutzfolie bis zuletzt auf der Platte, markiere den Bohrpunkt mit einem wasserfesten Stift und prüfe den Randabstand doppelt. Als grobe Regel gilt: Der Mittelpunkt des Lochs sollte mindestens das 1,5-fache des gewünschten Bohrdurchmessers von der Kante entfernt liegen.
- Schutzfolie nicht entfernen, damit die Oberfläche vor Kratzern geschützt bleibt.
- Bohrpunkt sauber anzeichnen, am besten mit Fettstift oder Permanentmarker.
- Bohrung nicht zu nah an Kanten setzen, sonst steigt die Spannungsgefahr deutlich.
- Platte auf einer glatten Holzunterlage fixieren, damit der Austritt später nicht ausbricht.
- Mit Schraubzwingen oder Klemmen arbeiten und das Werkstück exakt ausrichten.
Bei einem 10-mm-Loch heißt das praktisch: Der Mittelpunkt sollte mindestens 15 mm von der Kante entfernt liegen. Ich halte mich an diesen Wert konsequent, weil gerade an Ecken und schmalen Stegen die meisten Schäden entstehen. Eine Ständerbohrmaschine ist dafür angenehm, aber nicht zwingend nötig. Eine normale Bohrmaschine reicht aus, solange ich sie ruhig und senkrecht führe.
Ist die Platte fest eingespannt und sauber markiert, geht es an den eigentlichen Bohrvorgang.
So bohre ich das Loch Schritt für Schritt
- Die Bohrmaschine einschalten, bevor die Spitze das Material berührt.
- Den Bohrer senkrecht ansetzen und den Punkt nur kurz anbohren, damit die Position sitzt.
- Mit leichtem Druck arbeiten und nicht in das Material drücken.
- Bei dickeren Platten den Bohrer zwischendurch kurz anheben, damit Wärme und Späne entweichen können.
- Kurz vor dem Durchbruch den Vorschub deutlich reduzieren.
- Die Bohrung nach dem Durchgang beidseitig entgraten.
Ich arbeite bei solchen Platten gern nach einem einfachen Prinzip: ruhig ansetzen, gleichmäßig weiterarbeiten und nicht verkrampfen. Das Material soll Späne bilden, nicht gequetscht werden. Genau daran lässt sich auch die Qualität ablesen. Ein gleichmäßiger Fließspan ist ein gutes Zeichen, krümelige Späne deuten meist auf zu hohe Belastung hin.
Damit sind wir bei dem Punkt, an dem viele Fehler entstehen: der falschen Balance aus Drehzahl, Druck und Kühlung.
Drehzahl, Druck und Kühlung richtig dosieren
Bei Acrylglas gilt für mich: lieber ruhig als ruckartig. Eine niedrige bis mittlere Drehzahl reicht in den meisten DIY-Fällen aus, und je größer der Bohrdurchmesser ist, desto langsamer gehe ich vor. Zu viel Geschwindigkeit erzeugt Hitze, und Hitze ist bei diesem Material fast immer ein Problem.
| Spanbild | Was es bedeutet | Was ich ändere |
|---|---|---|
| Gleichmäßiger Fließspan | Drehzahl und Vorschub passen | Nichts, weiter ruhig arbeiten |
| Krümeliger Span | Zu hohe Drehzahl oder zu viel Druck | Langsamer arbeiten und den Vorschub etwas reduzieren |
| Verschmolzener Span | Überhitzung, stumpfer Bohrer oder zu wenig Vorschub | Bohrer prüfen, kühlen und den Vorschub sauberer finden |
Ab einer Materialstärke von mehr als 5 mm lüfte ich den Bohrer regelmäßig, also ich ziehe ihn zwischendurch kurz aus der Bohrung. Das hilft gegen Überhitzung und transportiert Späne ab. Wasser aus einer Spritzflasche ist dafür die einfachste Lösung; ein Tropfen mildes Spülmittel kann unterstützen, ist aber kein Muss.
Wer diesen Teil ernst nimmt, verhindert nicht nur Hitzeschäden, sondern auch die heikle Phase kurz vor dem Durchbruch. Und genau da wird es oft brisant.
Diese Fehler führen am schnellsten zu Rissen
- Schlagfunktion anlassen: Acrylglas reagiert empfindlich auf Stöße. Ich schalte die Schlagfunktion immer aus.
- Zu nah an der Kante bohren: Ohne genügend Randabstand steigt die Spannung im Material deutlich.
- Ohne Unterlage arbeiten: Am Austritt bricht das Loch sonst leicht aus. Eine glatte Holzplatte darunter macht einen großen Unterschied.
- Zu viel Druck ausüben: Das Material soll spanend bearbeitet werden, nicht gequetscht werden.
- Stumpfen Bohrer verwenden: Dann reibt er eher, als dass er schneidet. Das erzeugt Wärme und unsaubere Kanten.
- Die Bohrung nicht entgraten: Kleine Kerben bleiben stehen und können später als Sollbruchstellen wirken.
Wenn ein Loch einmal ausgebrochen ist, lässt es sich meistens nicht mehr sauber retten. Deshalb lohnt es sich, die ersten Sekunden lieber zu langsam als zu schnell zu arbeiten.
Gerade bei Projekten, die später verschraubt oder sichtbar montiert werden, ist diese Sorgfalt nicht nur schön, sondern praktisch nötig.
Saubere Löcher für Schrauben, Schilder und Beschläge
Im Alltag bohre ich Acrylglas oft nicht nur für ein einzelnes Loch, sondern für Halterungen, Schilder, Möbelgriffe oder kleine Deko-Elemente. Dann zählt nicht nur die Optik, sondern auch die spätere Belastung. Ein verschraubtes Teil sollte nicht unter Spannung stehen. Wenn die Schraube das Material zu fest klemmt, entstehen schnell Haarrisse.
Für solche Anwendungen helfen ein paar einfache Regeln:
- Die Bohrung nicht knapper als nötig ausführen.
- Unterlegscheiben verwenden, damit der Druck besser verteilt wird.
- Schrauben nur so fest anziehen, dass das Teil sicher sitzt, aber nicht gequetscht wird.
- Bei sichtbaren Befestigungen die Bohrung nach dem Bohren leicht senken oder entgraten, damit die Kante sauber bleibt.
Für große Öffnungen, etwa für Kabeldurchführungen oder Einbauöffnungen, ist eine feinzahnige Lochsäge bis etwa 60 mm eine brauchbare Lösung. Ich achte dabei besonders auf eine sehr stabile Fixierung und einen ruhigen Lauf, weil schon kleine Vibrationen die Kante ruinieren können.
Am Ende entscheidet oft nicht ein einzelner Profi-Trick, sondern die Summe aus guter Vorbereitung, passendem Werkzeug und ruhiger Hand.
Worauf ich bei DIY-Projekten mit Acrylglas immer achte
Wenn ich nur einen Satz aus diesem Artikel behalten müsste, dann diesen: Saubere Bohrungen in Acrylglas entstehen durch Ruhe, nicht durch Druck. Eine fest fixierte Platte, ein passender Bohrer, ausreichend Kühlung und ein sauberer Austritt sind die vier Punkte, die ich nie vernachlässige.
Für kleine Heimwerkerprojekte reicht oft schon ein normaler Akkuschrauber mit gutem Bohrer und etwas Geduld. Wer häufiger mit transparenten Platten arbeitet, profitiert dagegen deutlich von Spezialbohrern, einer Spritzflasche mit Wasser und einem sauberen Probestück, an dem sich Drehzahl und Vorschub kurz testen lassen. So bleibt das Ergebnis nicht nur funktional, sondern sieht auch ordentlich aus.
Wenn du das nächste Mal ein Loch in Plexiglas setzen willst, arbeite lieber einen Gang langsamer, als am Ende mit Spannungsrissen oder ausgebrochenen Kanten zu korrigieren, was sich kaum noch retten lässt.
